Stottern

Wenn der normale Redefluss ständig durch Unterbrechungen, Wiederholungen von Lauten und anderen Teilen eines Wortes sowie Dehnungen gekennzeichnet ist, weist dies auf eine Stottersymptomatik hin.

Die auftretenden Symptome werden in primäre und sekundäre Symptome unterteilt. Primäre Symptome stellen den eigentlichen Kern des Stotterns dar, während sekundäre Symptome eine Reaktion auf die primären Symptome sind.

Zu den primären Symptomen zählen:

  • Wiederholungen von Lauten, Silben und Worten (klonisches Stottern)
  • Dehnungen von Lauten
  • stille oder hörbare Blockaden (tonisches Stottern)
  • Interjektionen

Zu den sekundären Symptomen gehören:

  • Vermeidungsverhalten
  • körperliche Mitbewegungen und
  • Fluchtverhalten

Die erhöhte Anspannung der Sprechmuskulatur oder der ganzkörperlichen Muskulatur sowie Grimassieren sind Mitbewegungen, die eigentlich dadurch entstehen, dass primäre Symptome überwunden werden soll. Zu dem gibt es für den Kommunikationspartner nicht direkt beobachtbare Symptome des Stotterns wie negative Gefühle und Gedanken. Häufig neigen Betroffene zu Sprechangst, Scham und einem geringen Selbstwertgefühl.

Die Diagnose Stottern wird dann gestellt, wenn die oben genannten Symptome anhaltend oder wiederholt auftreten und zu einer deutlich erkennbaren Unterbrechung des Redeflusses führen und die Symptomatik mindestens drei Monate andauert. Das Stottern muss in der sprachtherapeutischen Diagnostik zu dem noch von anderen Redeunflüssigkeiten unterschieden werden.

Von

  • physiologischen Redeunflüssigkeiten bei Kindern, die im Bereich der Sprachentwicklung vorübergehend auftreten
  • Poltern, das eine Redeflussstörung ist, die durch ein erhöhtes Sprechtempo und eine verwaschene Aussprache sowie ein eingeschränktes Störungsbewusstsein gekennzeichnet ist
  • erworbenem Stottern, das auf ein psychisches oder physisches Trauma oder auf eine neurologische Erkrankung zurückgeht

Stottern beginnt in der Regel vor dem zwölften Lebensjahr, bei etwa der Hälfte der Betroffenen zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr, bei 90 Prozent vor dem sechsten Lebensjahr. Bei einem Großteil der stotternden Kinder ist die Störung bis zur Pubertät rückläufig. Nach der Pubertät ist eine vollständige Remission eher unwahrscheinlich, da die Symptomatik schon deutlich chronifiziert ist.

Es gibt eine Vielzahl von Theorien, welche die Ursache oder die Entstehung des Stotterns zu erklären versuchen. Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es jedoch nach wie vor keine ausreichenden Belege für die Richtigkeit dieser Theorien. Die bestehenden Theorien lassen sich einteilen in psychodynamische, genetische, neuropsychologische, Breakdown- und Lerntheorien.

  • Psychodynamische Theorien gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte oder Ziele zum Stottern führen, etwa das Ziel, Aufmerksamkeit oder Fürsorge zu erhalten
  • Genetische Theorien gehen von einer vererbten Disposition aus, welche die Entwicklung des Stotterns wahrscheinlicher macht.
  • Neuropsychologische Theorien nehmen an, dass sich das Gehirn bei Stotternden anders entwickelt als bei Normalsprechenden, woraus das Stottern resultiert. Hier spricht man von einer weniger stark ausgeprägte Lateralisierung der Sprachverarbeitung bei Stotterern als bei Normalsprechende
  • Breakdown-Theorien besagen, dass die vorhandenen Ressourcen zur Verarbeitung von Sprache und Sprechen bei den Betroffenen nicht ausreichend sind, was zum Zusammenbruch (Breakdown) der Sprechverarbeitung führe. Für diese Theorien spricht, dass Stotternde häufiger auch andere Sprachentwicklungsstörungen aufweisen
  • Lerntheorien erklären die Stottersymptomatik durch eine Kombination aus klassischer und operanter Konditionierung, besonders im Hinblick auf die Entstehung der Sekundärsymptomatik

Der bekannteste Ansatz und in der Praxis häufig der Basis bildende Ansatz der Therapie ist der Modifikations-Ansatz Dieser verhaltenstherapeutische Ansatz von Van Riper basiert auf der Annahme, dass Stottern grundsätzlich nicht vollständig heilbar ist, da die neuronale Grundstruktur des Sprechens mit ihren unterschiedlichen Einflüssen soweit ausgeprägt ist, dass grundlegende Veränderungen unmöglich sind. Der Ansatz zielt darauf ab, die stotternde Sprechweise anzunehmen und sie modifizieren zu lernen, um mit ihr leben zu können. Die Therapie umfasst Aspekte wie

  • Annahme und Identifikation,
  • Desensibilisierung (Pseudostottern)
  • Modifikation der Symptomatik,
  • Situations- und Kommunikationstraining in Alltagssituationen
Die meisten Therapien bauen auf diesem Ansatz auf und sind nur in ihrer Vorgehensweise und Umsetzung weiter modifiziert.