Myofunktionelle Störung

Typische, auch für Laien sichtbare, Zeichen für diese Störung sind ein offener Mund, eine interdentale Zungenruhelage, ein offener Biss und ein nach vorne gerichtetes Schluckmuster. Die myofunktionelle Störung ist durch ein Muskelungleichgewicht, besonders der Zungen- und Lippenmuskulatur gekennzeichnet und oft lässt sich zusätzlich eine Artikulationsstörung (Dyslalie), besonders der Zischlaute (s, z, sch...) wahrnehmen.

Häufig lassen sich noch weitere Merkmale wahrnehmen:

  • Offene, schlaffe Lippen, Mundatmung
  • Verkürzte Oberlippe, dicke gerötete Unterlippe, Hautirritationen im Mund- und Lippenbereich
  • Zwischen den Zähnen sichtbare Zungenruhelage
  • Schlaffe Gesichtsmuskeln
  • Beim Schlucken drückt die Zunge gegen oder zwischen die Zahnreihen
  • Schlaffe Körperhaltung im Sitzen und Stehen
  • Durch falsches Schlucken bedingte Zahn- und Kieferfehlstellungen
  • Schmaler, hoher Gaumen
  • Artikulationsstörung

Als Ursache für eine Myofunktionelle Störung gibt es verschiedene Möglichkeiten, z.B. durch:

  • Komplikationen während der Geburt
  • Ungünstige Ernährung im Säuglingsalter (falscher Flaschensauger)
  • ein zu weiches Nahrungsangebot
  • Lutsch- und Sauggewohnheiten (Daumen- oder Schnullerutschen)
  • Offener Biss, der das Vorschieben der Zunge begünstigt
  • Kiefer- oder Zahnfehlstellungen
  • Offene Mundhaltung wegen behinderter oder fehlender Nasenatmung

Kieferorthopäden oder Zahnärzte erstellen die Diagnose und überweisen ihren Patienten mit einer Verordnung für die sprachtherapeutische Behandlung an Sprachtherapeuten, Logopäden, .... Diese erzielen mit Hilfe der Myofunktionellen Therapie durch das Anbahnen der korrekten physiologischen Zungenruhelage sowie Muskelübungen für Zunge und Lippen ein korrektes Schluckmuster. Ebenso werden Atem-, Wahrnehmungs- und Haltungsübungen sowie Artikulationsübungen in die Therapieeinheiten mit einbezogen.

Die Behandlung einer Myofunktionellen Störung bedarf im Durchschnitt etwa 25-30 Therapieeinheiten. In der Regel findet diese einmal wöchentlich über 30-45 Minuten statt, bis die Zungenruhelage und das Schlucken korrigiert und neu automatisiert sind. Allerdings ist eine Umstellung der jahrelangen Gewohnheiten nur bei guter Motivation und Mitarbeit des Kindes sowie der Eltern als Co-Therapeuten zu erreichen.

Wann sollte behandelt werden?

  • Bei Säuglingen mit Saug-, Trink- und Schluckschwierigkeiten
  • Bei Morbus Down-Syndrom so früh wie möglich
  • Bei Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten so früh wie möglich
  • Wenn der Mund ständig geöffnet ist und Speichel austritt
  • Wenn die Zunge zu sehen ist und / oder eine Artikulationsstörung zu wahrzunehmen ist
  • Wenn die Frontzähne nicht herunter wachsen, aufgrund der hemmenden Kraft der Zunge
  • Wenn der Kieferorthopäde eine Schluckfehlfunktion z.B. bei offenem Biss feststellt

Wie man Myofunktionellen Störungen vorbeugen kann

  • Um vorzubeugen, sollten Babys mindestens 6 Monate gestillt werden oder mit einem speziellen Sauger gefüttert werden Vergrößern sie das Saugloch des Saugers nicht, denn Babys sollen durch das intensive Saugen ihre orofacialen Muskeln trainieren Geben sie die Trinkflasche nicht über mehrere Jahre
  • Für die Zahn- und Kieferentwicklung ist frühzeitiges Kauen notwendig - daher sollten Eltern ihren Kindern rechtzeitig feste Nahrung geben. Sollte das Baby dazu neigen am Daumen zu lutschen, versuchen Sie unbedingt ihm einen Schnuller anzugewöhnen (keine Kirschform).
  • Der Daumen verändert durch den ständigen Kontakt und leichten Druck den Kieferknochen. Es entsteht ein offener Biss in den sich die Zunge legt, auch beim Schlucken.
  • Wenn das Kind einen Schnuller/Beruhigungssauger hat, sollte dieser jedoch nur bei Bedarf gegeben werden.
  • Beim Down-Syndrom ist bekannt, dass diese Kinder in der Regel Probleme mit dem Mundschluss und der Zungenlage bekommen werden. Daher ist Eltern zu raten, bereits ihr zweimonatiges Baby der Logopädin vorzustellen, damit sehr frühzeitig vorbeugend die Gesichts- und Zungenmuskulatur stimuliert werden kann.
  • Bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sollten Eltern ihr Kind ebenso früh vorstellen, um Fehlentwicklungen von vorn herein entgegen zu wirken. Achten Sie als Eltern auf eine freie Nasenatmung. Bringen Sie dem Kind das richtige Schnäuzen bei.
  • Allergien, wie Hausstaubmilben-Allergien, provozieren ebenso eine ständige Mundatmung und die Erschlaffung der Gesichtsmuskulatur mit Auswirkungen auch auf die Gesamtkörperhaltung. Informieren Sie sich beim Allergologen (meist Hautärzte), welche wirksamen Gegenmaßnahmen möglich sind.