Dyslalie
Die Störungen der kindlichen Aussprache bzw. der Artikulation werden als „Dyslalie“ bezeichnet . Man unterscheidet zwei Typen von Dyslalien. Zum einen gibt es die Störungen im phonetischen Bereich und zum anderen die Störungen im phonologischen Bereich. Daher verwendet man heutzutage statt des Begriffs „Dyslalie“ eher die Bezeichnungen „Aussprachestörung“ oder „Artikulationsstörung“ in der sprachtherapeutischen Praxis.
Unter dem phonetischen Aspekt sind Dyslalien Störungen bei der Bildung von Sprachlauten. Das heißt, Laute können aufgrund von motorischen Schwierigkeiten der Mundmuskulatur nicht korrekt gebildet werden. Das bekannteste Beispiel für eine solche Störung ist der Sigmatismus („Lispeln“). Bei dieser Störung werden das Phonem /s/ und seine dazugehörigen Konsonantenverbindungen fehlerhaft gebildet (häufig auch in Verbindung mit einer myofunktionellen Störung).
Der phonologische Aspekt sieht Dyslalien als Störungen in der Verwendung von Sprachlauten. Das heißt, Laute können zwar vom Kind isoliert korrekt gebildet, aber nicht gemäß den sprachsystematischen Regeln angewandt werden. Häufig werden Laute ausgelassen oder durch andere Laute ersetzt.
Ebenso besteht die Möglichkeit einer Mischform beider Störungen, die man als phonetisch-phonologische Störung bezeichnet. Hierbei bedingen sich Lautbildungs- und Lautverwendungsstörungen gegenseitig.
Eine weitere Einteilung lässt sich nach der Schwere der Dyslalie aufstellen, nämlich danach, ob nur ein Laut oder mehrere Laute betroffen sind:
- partielle Dyslalie: hier werden 1-2 Laute falsch gebildet
- multiple Dyslalie: mehr als 2 Laute sind betroffen und die Sprache des Kindes ist weniger gut verständlich
- universelle Dyslalie: die meisten Laute sind betroffen und die Sprache besteht hauptsächlich aus Vokalen und ist für den Kommunikationspartner kaum noch verständlich
- inkonsequente Dyslalie: ein Laut wird je nach Position oder Wort durch unterschiedliche Laute ersetzt
- inkonstante Dyslalie: ein bestimmter Laut wird mal richtig, mal falsch gebildet
Ursachen von Dyslalien sind in den meisten Fällen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen im auditiven und visuellen Bereich sowie Störungen im Bereich der orofacialen Muskulatur, besonders der Mundmuskulatur. Häufig liegen aber auch genetisch oder familiär bedingte Ursachen vor oder der Laut wird in der Muttersprache nicht verwendet und ist dem Kind daher unbekannt.
Da es sich bei Störungen im phonetischen und im phonologischen Bereich um zwei verschiedene Formen handelt, sind auch unterschiedliche Therapiemethoden notwendig. In der sprachtherapeutischen Behandlung werden jeweils Therapiekonzepte angewendet und entwickelt, die an die individuellen Bedürfnisse der kleinen Patienten angepasst sind und aus bereits vorhandenen Therapiebausteinen sowie neuen, eigenen therapeutischen Ideen bestehen.
Zu Beginn jeder sprachtherapeutischen Behandlung finden ein Anamnesegespräch mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten, eine ausführliche sprachtherapeutische Diagnostik sowie ggf. andere diagnostische Maßnahmen wie ohrenärztliche oder kieferorthopädische / zahnärztliche Behandlungen statt.
In der sprachtherapeutischen Behandlung von phonetischen Störungen bildet die „klassische Artikulationstherapie“ von Van Riper die häufigste Grundlage der Therapie. Sie besteht aus den Therapiebereichen
- Übungen zur Fremd- und Eigenwahrnehmung,
- Korrekturphase sowie
- Stabilisierungsphase.
Diese Behandlungsmethode geht davon aus, dass ein fehlerhaftes Lautmuster nur dann korrigiert werden kann, wenn dem Sprecher seine Fehler bewusst sind.
In der phonologischen Therapie gibt es das „Metaphonkonzept“, die so genannte „Minimalpaartherapie“ und die „Phonologische Therapie“ (ins Deutsche übertragen von Anette Fox). Die Behandlungen phonologischer Störungen sind in der Regel langwieriger, da die Problematiken oft tiefgreifender sind als bei phonetischen Störungen. Kinder mit einer unbehandelten oder nicht angemessen behandelten phonologischen Störung sind darüber hinaus einem höheren Risiko einer Schriftspracherwerbsstörung ausgesetzt.

