Aphasie
Eine Aphasie wird aufgrund einer Läsion in der dominanten, also bei Rechtshändern der linken Hemisphäre verursacht. Diese Läsion, durch die die Sprachstörung Aphasie entsteht, ereignet sich durch eine neurologische Erkrankung nach abgeschlossenem Spracherwerb, wie z.B. Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Gehirnblutung nach Venenthrombose, Tumoren, entzündliche Erkrankungen,…
Aphasie wird oftmals mit „Sprachverlust“ ins Deutsche übersetzt. Ursprünglich bedeutet Aphasie „ohne Sprache“. Sie verursacht Beeinträchtigungen in den einzelnen sprachlichen Modalitäten Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen in unterschiedlichen Ausprägungen.
Die bekanntesten und häufigsten Formen der Aphasie sind z.B. die Broca-Aphasie und die Wernicke-Aphasie. Aphasien werden von verschiedenen Autoren unterschiedlich eingeteilt.
In Deutschland ist die Einteilung der Aachener Schule um Walter Huber und Klaus Poeck die meistverwendete, nicht zuletzt weil sie das Ergebnis eines standardisierten Diagnoseverfahrens, dem Aachener Aphasie-Test (AAT), ist.In dieser Einteilung werden vier Hauptarten der Aphasie („Standardsyndrome“) und mehrere Sonderformen unterschieden:
| Typ | Spontanansprache | Nachsprechen | Sprachverständnis | Wortfindung |
|---|---|---|---|---|
| Broca-Aphasie | betroffen | betroffen | syntaktisch komplexe Strukturen sind beeinträchtigt | eingeschränkt |
| Wernicke Aphasie | flüssig (z.Teil treten Neologismen, oftmals mit Logorroeh) | betroffen | eingeschränkt | eingeschränkt |
| amnestische Aphasie | flüssig, aber mit Paraphasien | leicht beeinträchtigt | leicht beeinträchtigt | gestört, häufig von Paraphasien betroffen |
| globale Aphasie | gestört | gestört | gestört | gestört |
Neben diesen vier Hauptarten der Aphasie gibt es seltenere Sonderformen wie z.B. die transkortikale Aphasie und die Leitungsaphasie. Die transkortikale Aphasie äußert sich beispielsweise darin, dass die Betroffenen nachsprechen, aber nicht frei reden können. Die Leitungsaphasie, die meistens durch Läsionen im Bereich der dominanten Hemisphäre entsteht, ist durch eine starke Störung des Nachsprechens bei ansonsten weitgehend intakten sprachlichen Fähigkeiten charakterisiert.
Eine andere Einteilung wurde von Leischner (vgl. Literatur) vorgeschlagen:
Die Leitsymptome der amnestischen Aphasie sind Wortfindungsstörungen (Schwierigkeiten beim Benennen von Gegenständen...). Die Sprache ist flüssig, teilweise mit leichten Satzabbrüchen durch Wortfindungsstörungen, bei denen die Zielbegriffe jedoch häufig umschrieben werden können. Das Kurzzeitgedächtnis ist häufig mitbetroffen.
Broca-Aphasie wurde früher auch „motorische Aphasie“ genannt und ist gekennzeichnet durch eine stockende und angestrengte Spontansprache mit starken Wortfindungsstörungen. Es besteht meistens eine mittelgradige Störung des Sprachverständnisses, so dass es im Gespräch mit dem Kommunikationspartner manchmal zu Missverständnissen kommt. Diese Störungen werden häufig erst bei einer direkten Testung entdeckt.
Die Wernicke-Aphasie wurde früher als „sensorische Aphasie“ bezeichnet und ist charakterisiert durch flüssige Sprachanteile mit sehr vielen semantischen Paraphasien (Wortverwechslungen) und phonematischen Paraphasien (Lautverdrehungen) bzw. Neologismen (Wortneuschöpfungen / Fantasieworten). Meist werden die Fehler von den Betroffenen gar nicht wahrgenommen. Zum Teil weisen die Betroffenen auch einen überschießenden Sprachfluss (Logorrhoe) auf und lassen Sprachverständnisproblem erkennen.
Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasie, bei der dem Betroffenen kaum lautsprachliche Äußerungen möglich sind und auch das Sprachverständnis schwer gestört ist. Ursache ist eine ausgedehnte Läsion, die sowohl das motorische, als auch das sensorische Sprachzentrum der dominanten Hemisphäre mit einschließt. Meistens handelt es sich hier um einen Totalinfarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media.

